Portrait – Der Löwe auf dem Spielfeld

Er strahlt Ruhe aus und doch haben sie Respekt vor ihm. Was sollte den Herrscher der Savanne auch aus der Ruhe bringen? Kamal kommt aus Indien und trägt den “Müller” unter den Nachnamen und doch ist es in seinem Fall eine imposantere Gestalt, die sich dahinter verbirgt. “Der Name bedeutet eigentlich Löwe, aber den trägt in Indien wirklich fast jeder Mann” , erklärt er.

Kamal schrieb mir eine sehr nette Nachricht auf meine Annonce in der ich nach neuen Gesichtern zum Fotografieren suchte. “Ich bin Fußaller durch und durch” , schrieb er. In welcher Liga er spielte war mir da eigentlich egal, dafür war ich schon zu interessiert als ich seine Zeilen gelesen hatte.

Wir trafen uns an dem Baum, der nicht aufhören will grüne Blätter zu spenden, obwohl er schon vor vielen Jahren in der horizontalen angekommen ist. Er erzählt mir von seiner jungen Liebe und dass es ihn für die Arbeit nach Düsseldorf zieht. Sein Weg nach Hause ist beachtlich. Ganze 120 km trennen ihn von dem Ort, wo er auch seiner Leidenschaft nachgeht.

“Ich habe letztes Jahr bei der CONIFA WM teilgenommen.”

“Und für welches Land bist du angetreten?”, frage ich direkt, ohne zu wissen, ob meine Frage überhaupt Sinn macht.

“Das ist so, dort treten Völker an, die keinen eigenen Staat haben.”

In dem Moment fällt mir direkt Katalunien ein. Die haben schließlich im letzten Jahr auch für Schlagzeilen gesorgt mit ihrem Wunsch nach Unabhängigkeit. Aber ich lasse mich eines besseren belehren, denn Katalonien hat nicht teilgenommen.

Kamal ist Nationalspieler für Panjab – einer ehemaligen Provinz in Britisch-Indien – und 2018 sogar Torschützenkönig geworden. “Die WM wurde in London ausgetragen, auch Italien ist dabei gewesen”, fügt er hinzu und ich lerne dazu.

Padanien ist eine Region in Italien, die übersetzt so viel bedeutet wie “dem Po (Fluss) zugehörig”. Die Grenzen dieser Region sind natürlich nicht fest wie die eines anerkannten Staates. Der Begriff wird zumeist auch von der Lega Nord (Partei) in Italien genutzt, um den Norden Italien vom römischen Südteil zu trennen.

“Aber es geht nicht um Politik, sondern um Fußball. Jedes Volk hat natürlich seine Geschichte, die bei der WM aber nicht in Frage gestellt oder als Abwertung behandelt wird.”

“Im Viertelfinale war leider Schluss für uns, die Italiener waren einfach besser”, stellt er ohne Neid fest.

Kamal wurde mit 7 Treffern Torschützenkönig und erzählt mir, dass er begeistert war von dem Zusammenhalt, den er bei dieser Weltfußballmeisterschaft erlebt hat.

Aus lizenzrechtlichen Gründen darf die CONIFA WM offiziell nicht Fußballweltmeisterschaft heißen.

Kamal spielt für den SV Eintracht FC Nordhorn und ist glücklich, wo er ist. Er strahlt es auch aus.

Als wir uns verabschieden bin ich froh ihn getroffen zu haben und danke ihm mit einem Bild.

Piero Nigro

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